Dreißigjähriger Krieg in Wöhrd

Mit dem Fenstersturz in Prag am 23. Mai 1618 wurde der verheerendste Krieg der Weltgeschiche ausgelöst. Es traf vor allem Deutschland und hier besonders Franken und

die Oberpfalz. Sowohl die schwedisch-protestantischen als auch die kaiserlich-katholischen Truppen verwüsteten Städte und Dörfer.

Doch wie erging es den Wöhrdern.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges hatte Nürnberg noch verhältnismäßig wenig zu leiden. Aber die Fortdauer des Krieges ließ die Reichsstadt Schlimmes befürchten. Manche Bewohner des Umlandes zogen in die Stadt, um innerhalb der Befestigungsanlagen sicherer zu sein. Besonders in die Vorstadt Wöhrd, welche bereits damals  stark bevölkert war, drängten sich nun zu viele Menschen.

Im Jahr 1627 brach in der Wöhrder Findel eine Seuche aus. Diese war 1599 durch den Pfleger des Nürnberger Heilig-Geist-Spitals, Hieronymus Paumgartner gegründet worden. Der Nürnberger Rat verfügte deshalb am 27.September 1627 die Schließung der Anstalt und Überführung der sämtlich erkrankten Zöglinge ins Lazarett. Die Krankheit breitete sich jedoch weiter in Wöhrd aus. Am 22.Oktober stellte man das Wöhrder Gericht ein und übertrug dem älteren Gemeinmeister vorübergehend richterliche Funktionen. Nürnberg selbst blieb von der Seuche verschont, da niemand aus Wöhrd in die Stadt eingelassen wurde, auch nicht die Bäcker und Metzger. Erst im Frühjahr 1628 erlosch die Epidemie.

Doch der Kriegslärm rückte näher. Nachdem General Tilly nach der Schlacht bei Breitenfeld 1631 in das Nürnberger Gebiet zog, sandte König Gustav Adolf von Schweden den Grafen Solms mit etwa 500 Reitern und 1600 Mann zu Fuß zum Schutz der Stadt. Diese Truppen wurden in Wöhrd, Gostenhof und Sündersbühl einquartiert. Wohl machten sie fast täglich Ausfälle, schadeten aber schließlich mehr als daß sie nützten, sie betrugen sich mehr feindlich als freundlich. Der Rat bat beim König um deren Entfernung und dies erfolgte im Jahr 1632.

Es mußte auch an die Befestigung der Vorstadt gedacht werden. Bereits in den ersten Kriegsjahren erhielt Wöhrd einen neuen Wall und Graben. Zum Schutz des Marktes wurde auf der Findelwiese vor dem Wassertor ein Palisadenwerk errichtet. Außerdem erhielt Nürnberg auf Anordnung des Königs eine bedeutende äußere Umwallung, die auch Wöhrd mit einschloß. Bei der Errichtung dieser Verschanzungen, es waren hauptsächlich Erdwälle, mußte jeder Bürger einen Tag in der Woche Frondienst leisten. Die Schanzen verliefen östlich von Wöhrd am Friedhof vorbei bis etwa zum heutigen Hotel „Drei Linden“ und zum Judenbühl. Südlich der Pegnitz folgten sie etwa der heutigen Dürrenhofstraße, wobei der Vogelsgarten und Dürrenhof einbezogen wurde, jedoch nicht St.Peter. Die Wöhrder Schanzen wurden erst nach der Schlacht an der Alten Veste durch Anfügung einiger Werke verstärkt und nach dem Auszug des Königs wiederholt ausgebessert. Sie erhielten eine verhältnismäßig starke Besatzung. In das Bollwerk bei den Drei Linden kam die Hauptwache mit zwei Fähnlein und 30 Rotten  (eine Rotte etwa sechs Mann) ohne Offiziere und weitere Rotten am Wall entlang. Fast alle gehörten dem Regiment des Obersten v. Leubelfing an. König Gustav Adolf befahl auch eine bessere militärische Organisation der Bürgerschaft. Wöhrd stellte nach dieser Aushebung zwei Fähnlein in Stärke von je 108 Mann mit Kapitän, Leutnant, Fähnrich, Feldwebel und Korporale insgesamt etwa 236 Mann, für Wöhrd eine ansehnliche Zahl. 

Die Wöhrder glaubten sicher zu sein und nahmen nur ungern das Verbot zur Abhaltung der ersten Kirchweih am Sonntag Exaudi hin. Die Bäcker wollten ihre Eierkuchen backen, was vom Nürnberger Rat untersagt wurde. Die Obrigkeit ging nicht mit gutem Beispiel voran, ließ die übliche Ratsmahlzeit im Mai 1632 nicht ausfallen. Es wurde ein überaus üppiges Festgelage.

Die schwerste Zeit begann für Wöhrd nach dem Abzug des schwedischen Heeres am 8./18.September 1632. Bereits vor der Schlacht an der Alten Veste waren einzelne schwedische Abteilungen in Wöhrd. Gegen diese Einquartierung wurden die Beschwerden zurückgewiesen.  Später galt es, eine schwedische Garnison von etwa 4200 Mann unterzubringen und wieder mußte Wöhrd dafür herhalten. Es wurde dann aber nur das 550 Mann starke Regiment des Obersten Hastver nach Wöhrd verlegt. Um Zucht und Ordnung der Soldaten einigermaßen aufrecht zu erhalten, wurde auf dem Wöhrder Marktplatz ein Galgen errichtet.

Diese Einquartierung wäre noch nicht das Schlimmste gewesen. Im Jahr 1632 trat erneut eine furchtbare Seuche auf. Zu Beginn waren es wenige Todesfälle jedoch erreichte sie 1634 mit 386 Beerdigten ihren Höhepunkt. Mit den  „unbesungenen“, sind es wohl mehr als zweimal so viele gewesen. Auf dem Friedhof wurden neben den vielen hingerafften Einwohnern auch Hastver’sche Offiziere begraben.

Auch unter der Einquartierung des Hastver’schen Regiments, welches zweieinhalb Jahre dauerte, hatten die Wöhrder viel zu leiden. Die Bürger waren ihres Lebens und ihrer Habe nicht mehr sicher. Durch Plündern und Placken schadete auch diese verwilderte Soldateska mehr als sie nützte, aber durch die Nähe des Feindes war eine Befreiung nicht möglich. Nach dem Tod des Obersten Hastver wurde es immer schlimmer. Außerdem wurden von den Offizieren 90 Mann mehr angegeben als das Regiment hatte, die der Rat bezahlen mußte. Das Regiment wurde auf Befehl des Rates unter Burkhard Loeffelholz im Januar 1635 nach Lauf und Hersbruck verlegt. Das Schlimmste war für Wöhrd vorüber zumal auch die Seuche im Januar 1635 erlosch.

Trotz schwerer Kriegsnöte war die Gründung eine Lateinschule 1633 ein kulturell bedeutendes Ereignis. Zunächst fanden 12 Schüler Aufnahme. Nach dem Tod des Rektors  D. Johann Hager1664 wurde die Stelle wegen der allgemein herrschenden Armut nicht mehr neu besetzt. Im März 1667 wurde das Schulhaus um 400 Gulden an Private verkauft und somit wurde auch die Lateinschule ein Opfer des großen Krieges.

Infolge des Beitritts der Reichsstadt Nürnberg zum Prager Separatfrieden 1635 war Wöhrd in den letzten 13 Jahren des Krieges von den schlimmsten Drangsalen verschont. In diesen schweren Kriegsjahren war kein Feind in die Verschanzungen gedrungen und die Vorstadt vor Brand und Plünderungen bewahrt geblieben, doch hatte trotz allem der Tod reiche Ernte gehalten und mehr als die Hälfte der Einwohner weggerafft.

Viele Wöhrder mußten ihren Unterhalt außerhalb der Vorstadt suchen und es dauerte noch Jahrzehnte bis sich Wöhrd vom Krieg erholt hatte.

Text: E.Loos.

30 Jahre Krieg

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