Zeltner Brauerei

Norikus  -  Zeltner-Brauerei

1830 hatte sich Johannes Zeltner, aus Eschenbach kommend, in Nürnberg niedergelassen.

Er erzielte mit seiner Hopfenhandlung erhebliche Gewinne und konnte seinem jüngeren Bruder Johann Georg, einen ausgebildeten Handlungscommis den Einstieg in die Brauereibranche ermöglichen.

Am 4.Februar 1836 machte der damalige 2.Bürgermeister von Nürnberg, Johann Scharrer, den Hopfenhändler Johannes Zeltner auf den Verkauf einer Brauerei mit Häusern, Felsenkellern, Schiff und Geschirr aufmerksam. Es handelte sich um die stillgelegte Weißbierbrauerei in der Schlotfegergasse, welche für 45.000 fl zu haben war. Im August 1836 verkaufte die Bierbrauerswitwe M.C.Keppendörfer das Brauhaus mit großem ausbaufähigen Grundstück und dem Recht für die Rot- und Weißbierherstellung für nur 19 000 Gulden an Johann Georg Zeltner. Anfang des nächsten Jahres kaufte er am Paniersplatz zwei Bierkeller und im Sommer plante er den Neubau der Betriebsgebäude. Zu Anfang belieferte Zeltner neun Wirte und hatte jedoch 1840 bereits über zwanzig Wirte zu beliefern. Die Nürnberger Methode „auf Satz brauen“ wurde schon bald gegen das ergiebigere „bayerischen Brauverfahren“ ausgetauscht. Die neue Brauart kam bei den Produzenten und Konsumenten bestens an. Zu seinen Brüdern hatte Johann Georg  Zeltner enge geschäftliche Kontakte.  So bezog er den Hopfen,  das Brennholz und das Baumaterial von seinen Brüdern. Die Braugerste wurde aus dem gesamten nordbayerischen Raum zugekauft und das Brauchwasser aus der Nägeleinsmühle entnommen. Von der Kleinsten der 29 damals bestehenden Brauerein, war Zeltner bereits Anfang der 1860er Jahre an vierter, manchmal an dritter Stelle, der Nürnberger Braustätten. Durch die aufkommende Mechanisierung und dem Ausbau der Dampfkraft ergab sich in der dichtbebauten Altstadt ein Standortproblem. 1876 folgte Zeltner dem Beispiel anderer Großbraueren und verlagerte Teile des Betriebs an den Stadtrand. Er erwarb in der Tullnau auf dem Gebiet der Gemeinde Glaishammer ein großes Areal mit mehreren Häusern und einer Mühle. Zeltner selbst hatte mit seiner Familie seinen Wohnsitz in der Flschenhofstraße 55 gewähltl. gewählt.

1830 Johannes Zeltner
1830 Johannes Zeltner1
1830 Johannes Zeltner2

Das Grundstück, an der Straße nach Mögeldorf, der heutigen  Ostendstraße, etliche Kilometer von der Braustätte in der Schlotfegergasse entfernt, bot durch seine Größe und die nahe Pegnitz gute Voraussetzungen für den Ausbau eines Brauereibetriebs. Der erste Bauabschnitt begann mit einem Lagerkeller mit zwei Gewölben und einer darüberliegenden Faßremise. Es folgten weitere Kellergewölbe und die Errichtung einer Faßpicherei, die jedoch ein umweltverschmutzendes Betriebsteil war. Anwohner konnten trotz massiver Proteste  den Bau nicht verhindern. Von 1885 bis 1888 wurde das Kelleranwesen durch den Bau einer neuen Faßhalle, eines Gärkellers, eines Eiskellers und eines Pferdestalles bedeutend erweitert. Die Wasserversorgung erfolgte aus der städtischen Schönbrunnleitung; erst 1891 wurde ein eigener Tiefbrunnen gebohrt. Nach dem Tod des Johann Georg Zeltner leiteten seine Söhne Wilhelm und Heinrich  die Brauerei. Die in der Tullnau zielstrebig betriebenen Baumaßnahmen zeigen,daß auch die zweite Brauereigeneration es durch geschickte Leitung verstand, den Betieb  gegen die massive Konkurrenz zu behaupten. Die Investitionen im Kellergelände zielten schon bald auf eine völlige Verlagerung der Brauerei aus der Altstadt an die Ostendstraße. Um 1890 dachte man auch bei Zeltner daran, die bei einigen Großbrauereien bereits erprobte künstliche Kälteerzeugung einzuführen. 1891 begann man mit dem Einholen von Angeboten.für den Bau des Eismaschinengebäudes. Das Projekt wurde durch den frühen Tod von Wilhelm Zeltner verzögert und konnte erst zu Ende des Jahres 1895 fertiggestellt werden. In dem neuen Maschinenhaus wurde eine von der Maschinenbau Aktiengesellschaft Nürnberg gelieferte Kältemaschinenanlage aufgestellt.
1904 erfolgten als weitere Baumaßnahmen die Vergrößerung der Faßhalle und, als arbeitnehmerfreundlicher Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die Einrichtung eines Brausebades. Noch vor der Jahrhundertwende nahm der Absatz des zunächst nur für den Export hergestellten Flaschenbieres auch im direkten Einzugsgebiet der Brauerein ständig zu. Auch bei Zeltner wurde die Kapazität in diesem Bereich durch weitere Neubauten ausgeweitet. 1910 schloß der Neubau eines zeitgemäßen Sudhauses mit Kontoranbau die langfristig geplanten Vorbereitungen zur gänzlichen Verlegung der Braustätte aus der Altstadt an die Peripherie der Stadt ab. Die Beseitigung der Abwässer stellte ein noch ungelöstes Problem dar: Sie wurden nämlich ungeklärt über einen Kanal unterhalb des Brauereigeländes direkt in die Pegnitz geleitet. Die Genehmigung auf Widerruf gelang, da die Einleitung in die städtische Kanalisation wegen der entfernten Lage der Brauerei nicht in Frage kam. Nach der Inbetrienahme des neuen Sudhauses legte man die alte Zeltnerbrauerei in der Schloftfegergasse still. Heinrich und Georg Zeltner, die Enkel von Johann Georg, verlegten den Firmensitz in die Ostendstraße 9 bis 27.
Trotz ihrer peripheren Lage wurde die Brauerei in der Ostendstraße ein Opfer der Kriegsbomben. Einer der ersten größeren Angriffe auf Nürnberg verursachte in der Nacht zum 11. August 1943 so große Schäden, daß der Betrieb eingestellt werden mußte. Nach dem Großangriff vom 2. Januar 1945 waren Sud-, Maschinen- und Kesselhaus, Kühlschiff, Wasserreservoirs, Filtermassewäscherei, Pich- und Faßhalle, Flaschenabfüllerei, Betriebswerkstätten, Lager-, Büro- und Stallgebäude vollkommen zerstört. Die 1886 errichtete Villa von Heinrich Zeltner war so schwer beschädigt worden, daß sie 1960 abgebrochen werden mußte. Nach dem Ende des Krieges hatte der damalige Besitzer Kurt Zeltner die Absicht, die Brauerei möglichst bald wieder in Betrieb zu setzen. Der Zustand der Gebäude ließ den Wiederaufbau, wenn auch unter großen finanziellen Belastungen, zu. Besonders die noch vorhandenen Keller machten den Standort für die Brauerei weiterhin interessant. Ein Wiederaufbau wurde jedoch durch das Planungsamt nicht zugelassen, da das Grundstück an der Ostendstraße mittlerweile als Wohngebiet ausgewiesen war.
Erst Ende der sechziger Jahre wurden die Gebäudereste, sowie Keller und Kamin der ehemals viertgrößten Privatbrauerei beseitigt,. um einem in seiner Dimension einmaligen Immobilienprojekt Platz zu machen. Am 30. Mai 1969 wurde am Zeltner-Hügel der Grundstein für den „Noricus am Wöhrder See“ gelegt. In den Felsenkellern der Brauerei entstanden die Tiefgaragen für die ersten drei Hochhäuser. In den ersten Jahren war das Noricus ein begehrtes Wohnobjekt.Auch heute wieder ist das Noricus eine der ersten Wohnadressen in Nürnberg. Von den 14, 16 und 21 Stockwerken hohen Wohntürmen hat man eine der schönsten Aussichten über Wöhrd, die Altstadt und auf die Burg.

Text: Elfriede Loos, Bilder: Archiv

 

 

01-01-02 werb seeh
Facebook
01-01-02 web kais
01-01-02 web schnei
01-01-02 web fuss
01 QR-Code-VVWOEHRD

Copyright (c) Vorstadtverein Nürnberg Wöhrd von 1877 e.V.

AGBV
Arbeitsgemeinschaft der
Bürger-und Vorstadtvereine
Nürnbergs e. V.

01-01-06-1 pan

VORSTADTVEREIN
 NÜRNBERG-WÖHRD von 1877 e. V.