Rundgang Teil 2

 

 

Ein Rundgang in Bildern (Teil 2)          |zurück Teil 1...|

Der zweite Teil unseres Rundgangs durch die barocken Gärten um Wöhrd führt uns in den östlichen Bereich des heutigen Cramer-Klett-Parks und in die Gegend zwischen Sulzbacher Straße und Äußerer Cramer-Klett- bzw. Georg-Strobel-Straße. Eine Übersicht gibt die Karte von 1732 (Abbildung 1). Zwischen dem Tuchergarten und der heutigen Hirsvogelstraße (früher die Kuhgasse) erstreckten sich noch zwei weitere Gärten. Während der nördliche der beiden seit 1700 als Gärtnersgarten verwendet wurde und im Eigentum verschiedener, meist bürgerlicher Familien stand, war der südlich angrenzende Garten, der sich bis zum Kesslerplatz erstreckte, zumindest zeitweise Teil des umfangreichen Schmauss`schen Gartenanwesens, das im Süden des heutigen Cramer-Klett-Parks lag. Die Grenzen beider Gärten sind noch heute an den Grundstücksgrenzen zwischen Cramer-Klett-Park und dem Gelände des „Redda Barnen“ sichtbar.

An der Fußgängerampel überqueren wir nun die Cramer-Klett-Straße in Richtung Harmoniestraße um die Reste der Gärten auf der dem Park gegenüberliegenden Straßenseite zu erkunden. Zunächst fälle an der Straßengabelung zur Georg-Strobel-Straße (übrigens ein Wöhrder Pfarrer des späten 18. Jahrhunderts) eine kleine Grünfläche auf. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man auch eine Kanaldeckel. Wie man auf den Plänen des 18. Jahrhunderts sieht, befand sich zu dieser Zeit an dieser Stelle ein kleiner Teich, der sog. Weiher vor dem Wöhrder Thürlein, der offensichtlich von einer Quelle gespeist wurde (Abbildung 1, unten links). Letzter Überrest ist der heutige Notwasserbrunnen. Auch an den angrenzenden Häusern aus dem späten 19. Jahrhundert spiegelt sich die frühere Gartenbebauung wider. Wenn man die scheinbar einheitliche Baugruppe genauer betrachtet, bemerkt man, dass sie sich in Wirklichkeit aus drei Bauteilen zusammensetzt: zwei Gebäuden jeweils zur Straße und einem Mittelbau. Die Bebauung spiegelt hier die dort früher stehende barocke Bebauung: zwischen zwei Flügelbauen befand sich zu dieser Zeit allerdings eine Toreinfahrt. Hinter dieser Toreinfahrt erstreckte sich zur Zeit der Entstehung der Volckamerschen Hesperiden der Garten der Patrizierfamilie Welser, der Nürnberger Linie der Augsburger Kaufleute und Bankiers. Auch dieser Garten, der sich bis zur heutigen Gießereistraße erstreckte, war in den Formen des Barock angelegt und wies eine Fontaine auf. Zumindest ist er so auf den barocken Stadtplänen abgebildet.

Ging man die heutige Äußere Cramer-Klett-Straße stadtauswärts weiter, gelangte man nach wenigen Schritten an eines der vier Tore der Wöhrder Marktbefestigung, das Stadttor (Abbildung 2). So genannt, weil es von der Vorstadt in die Stadt führte. Die Rückseite der Häuserreihe des Rahm (zwei Häuser davon noch aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem 2. Markgrafenkrieg nach 1560) und der Hirsvogelbunker auf der anderen Seite zeichnen noch heute den Verlauf der Befestigung nach, die aus in diesem Bereich aus der fensterlosen Rückseite der hier stehenden Häuser bestand.

Vom Eingang der heutigen Gießereistraße aus, ungefähr auf Höhe der Verkehrsinsel, hätte sich vor dem 2. Weltkrieg ein völlig anderes Bild als heute gezeigt. Exakt dort, wo heute die 1967 errichtete katholische Kirche St. Josef steht, beherrschte bis zum Bombenangriff 1943 das barocke Gebäude des Kress`schen oder Pfinzing`schen Gartenhauses das Bild (Abbildung 3). Auch wenn das Gartengelände dort spätestens seit den 1850-er Jahren als Betriebsgelände der Earnshaw`schen Maschinenfabrik genutzt wurde, waren dort bis 1943 noch viele Reste eines weiteren Patriziergartens erhalten. Eine gute Vorstellung gibt hier, neben einem Gartenplan, vor allem auch ein Uhrenbild aus der Zeit kurz vor der Umwandlung in ein Fabrikgelände (Abbildung 4). Das Bild zeigt nicht nur das Gartenhaus und den kreisrunde barocken Gartenpavillon, eine Brunnenfassade und ein Zugangstor, sondern auch vier barocke Gartensphinxen (Abbildung 5). Diese verspielten Mischwesen aus Löwe und Frau hatte Johann Sigmund Pfinzing von Henfenfeld bei dem bekannten Bamberger Rokoko-Bildhauer Bonaventura Mutschele bestellt. Ob diese Figuren tatsächlich für diesen Garten bestimmt waren oder nicht doch eher für das neue prächtige Schloss in Großgründlach, muss dahinstehen bleiben. Auf jeden Fall blieben sie nach dem Tod Pfinzings, der der letzte seiner Familie war, und den Übergang des Gartens auf die Haller von Hallerstein im Wöhrder Garten. Heute finden sie sich in der Gartenausstellung des Germanischen Nationalmuseums.

Nördlich an diesen Garten schloss sich, auf der anderen Seite der heutigen Georg-Strobel-Straße, der Rösler`sche oder Merkel`sche Garten an, der sich bis zur Sulzbacher Straße erstreckte. An Stelle des vom bedeutenden Architekten Johann Trost 1692 an der Straße errichten barocken Palais (Abbildung 6) für den Kaufmann und Genannten des Großen Rates Georg Rößler steht heute das Melanchthon Gymnasium. In dessen Aula hat sich die hochbarocke Stuckdecke des Gartensaales dieses wertvollen Gebäudes erhalten, das 1909 abgebrochen wurde. Erhalten blieben auch zwei barocke Brunnen - einer davon mit Putten geschmückt - im Hof der Schule, sowie einzelne Teile der Ausstattung, die heute ebenfalls im Germanischen Nationalmuseum ausgestellt sind. Verloren sind hingegen die beiden achteckigen Gartenpavillons und die reiche Statuenausstattung dieses Gartens (Abbildung  7 und 8). Auch dessen ursprüngliche Ausdehnung ist heute nur noch schwer vorstellbar, weil die Fläche nun durch die Nunnenbeckstraße durchschnitten wird.

Dies gilt auch für den unmittelbar angrenzenden Garten der Patrizierfamilie Löffelholz. Auch erstreckte sich ursprünglich von der Sulzbacher Straße bis zur heutigen Georg-Strobel-Straße. Auf den barocken Plänen sieht man auch, dass er durch die üblichen Gartenparterres aus Buxbaum gegliedert und Springbrunnen geschmückt war. Erhalten haben sich zwei Fotographien aus der Vorkriegszeit, die das nach 1864 für den damaligen Besitzer, den Grafen Giech, in klassizistischen Formen erbaute und später militärisch genutzte Gartenpalais an der Sulzbach Straße zeigen (Abbildung 9).  Zumindest Teile dieses Gebäudes standen nach dem 2. Weltkrieg noch. Zumindest deuten hierauf die Quellen hin. In den 70er-Jahren mussten die Reste allerdings für das heutige BRK-Gebäude und die große Rettungswache auf dem Gelände Platz machen.

Der letzte Garten unseres Rundgang ist der Garten des Dr. Falkner der sich an den Löffelholz`schen Garten anschloss. Auf der Abbildung dieses Gartens (Abbildung 10) sieht man den prachtvoll mit einem aufwändigen Brunnen, kunstvollen Statuen und einer Vielzahl von Orangen- und Zitronenbäumchen geschmückten Garten. Im Vordergrund der Eigentümer Dr. Christoph Konrad Falckner und seine Ehefrau. Sie nach spanischer Mode mit Umhang gekleidert, er nach französischer Mode mit Allonge-Perücke und Degen. Im Hintergrund das um 1680 errichte Gartenhaus, das 1715 einem dreiflügeligen Neubau weichen musste, der sich mit einer langen Zufahrt zur heutigen Bauvereinstraße öffnete.

Hier endet der Rundgang durch die barocke Gartenlandschaft der Gärten bei Wöhrd. Wenig ist von der barocken Pracht erhalten. Einzig der heutige Cramer-Klett-Park läßt etwas von den kleinen bürgerlichen Paradiesen erahnen, die sich hier rund 200 Jahre lang erstrecken.

Text: Knut Engelbrecht


 Hesperidengärten in und um den heutigen Cramer-Klett-Park

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