Wöhrd – eine Lebkuchenmarke wird geboren

Häberlein-Metzger war Jahrzehnte lang wohlschmeckender Beleg für die Güte Nürnberger Lebkuchen. Heute bezeichnet der Name die Premiummarke des Hauses Lambertz. Sie entstand in Wöhrd. In der Hauptstraße 29 befand sich um 1800 die Lebküchnerei der Familie Bühler, die ihre Produkte nicht nur in der Vorstadt, sondern auch in einer eigenen Verkaufsstelle in Nürnberg absetzte. Für diesen Laden war etwa 1810 die Tochter des Metzgermeisters Bub aus Ammerndorf eingestellt worden. Als Johann Michael, der letzte der Lebküchner Bühler, „auf dem Sterbebett lag“, heiratete er sie, mehrere Stunden vor seinem Ableben. Man darf vermuten, dass Bühler dadurch seine tüchtige Angestellte versorgen wollte, hatte doch die Witwe eines Meisters die Befugnis, den Handwerksbetrieb weiterzuführen. Sie tat es mit Erfolg. Im Jahr 1815 lernte die
25 jährige auf der Ansbacher Messe einen Dinkelsbühler Lebküchnermeister kennen, den
29 Jahre alten Friedrich Gotthelf Metzger. An der Witwe Bühler, sicher auch an deren Unternehmen, fand er Gefallen, und die beiden heirateten im November 1816.
Die Wöhrder Lebküchnerei  nahm den Firmennamen „F.G. Metzger“ an und blühte auf.
Friedrich Gotthelf Metzger war Kind einer Dinkelsbühler Bürgerfamilie, die Jahrhunderte lang Ratsherren der alten Reichsstadt und in bayerischer Zeit Magistratsräte stellte. Am 17. Dezember 1787 wurde er geboren und besuchte die Lateinschule, bevor er mit
15 Jahren nach Nördlingen in
die Lehre geschickt wurde, um dort – wie eine Reihe seiner Vorfahren von Großmutters Seite – Lebküchner und Konditor zu werden. Warum er dann den Beruf nicht in seiner Heimatstadt ausübte, ist unbekannt. Wahrscheinlich war ihm die zwischenzeitlich bayerisch gewordene Landstadt zu eng geworden, und er verließ 1809 Nördlingen mit der Absicht, seinen geschäftlichen Erfolg anderswo zu finden. Zurecht, wie die weitere Entwicklung bewies. 1810 nahm er in Nürnberg eine Stellung an und hätte damals schon einen Betrieb übernehmen können, ging aber im Jahr 1811 lieber auf Wanderschaft. Sie führte ihn bis nach Breslau und Berlin. Sein innerer Drang habe ihn bewogen, schreibt er später, vielleicht wollte er auch den zunehmenden Aushebungen zum bayerischen Militär entkommen, das im Jahr darauf Soldaten für den verlustreichen Russlandfeldzug Napoleons stellen musste. In Metzgers Tagebuch findet sich der Eintrag, er habe "auf der Reise größtenteils von Butterbrot und etwas Bier oder Schnaps gelebt und auf einer Bank oder auf Stroh geschlafen". Bald darauf wurde er erneut in Nürnberg als Konditor tätig. 1815 zog es ihn als Konditor nach Ulm. Durch einen Geschäftsfreund hörte er dort von der jungen Nürnberger Witwe Bühler und lernte sie in Ansbach kennen.
Das junge Paar in Wöhrd konnte sich schon im Jahr nach der Eheschließung über die Geburt des Sohnes Christoph freuen (Er erlernte später in der angesehenen Buchhandlung Carl Felsecker den Buchhändlerberuf.). Schon bald jedoch folgten schwere Schicksalsschläge für die Familie: Ein Jahr nach der Hochzeit brach im Haus ein Feuer aus, ein im Oktober 1818 zur Welt gekommenes Töchterchen starb ein halbes Jahr später, und  im Dezember 1819 folgte nach längerer Krankheit die junge Frau in den Tod. Im darauffolgenden Juni heiratete Metzger seine Schwägerin Margarethe Sybille Bub, geboren am 10. Januar 1796, die Schwester seiner verstorbenen Ehefrau. Bald danach muss die Familie von Wöhrd nach Nürnberg gezogen sein, denn in den dreißiger Jahren hatte Metzger die städtischen Ehrenämter eines Distriktsvorstehers und eines Gemeindebevollmächtigter inne. In seiner zweiten Ehe mit Margarethe Sybille wurden zwei Söhne und fünf Tochter geboren (mindestens ein Kind starb in Kindesalter). Ab 1837 wohnte die Familie im „Küffnerschen Haus“ in der Rathausgasse -

Lebkuchenmarke

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F:G. Metzger,
Lebküchner in Wöhrd

 

 

heute Teil des Rathausplatzes -, das Metzger erwarb und auch für die Lebkuchenfertigung umbauen ließ. 1841 verstarb Margarethe Sybille an einem Magenleiden. 1842 ehelichte Metzger Eleonore Florentine Friederike Wagner, die Tochter eines Chemikers, die einen Sohn und eine Tochter gebar. 1848 übergab er Haus, Laden und Geschäft seinem 25-jährigen Sohn Johann Georg Karl und siedelte selbst in sein Haus auf der Insel Schütt über. Er starb 1861.

Mehrere Zeugnisse beleuchten Metzgers Wesenszüge. Versehen mit dem traditionellen Bildungsgut des lutherischen Bürgertums und den aufklärerischen Gedanken seines Vaters Johann Matthäus, ist in der Jugendzeit von seinem „weichen Herz“ die Rede, das durch den evangelischen Religionsunterricht noch weiter ausgebildet worden sei. Von misslichen Umständen ließ er sich nicht entmutigen, ihm gebotene Chancen nahm er wahr. So blieb er bei der Handwerkslehre in Nördlingen, obwohl er schikaniert wurde, und bewies Können und Zuverlässigkeit, indem er neben der Ausübung seines Handwerks noch die Buchhaltung und die Korrespondenz seines Lehrbetriebs führte, als der kranke Betriebsinhaber dazu nicht mehr in der Lage war. Der besondere Geiz seines Ulmer Arbeitgebers hielt ihn nicht ab, „viel Neues zu lernen“, wie er selbst schreibt. Dass auch er sehr sparsam sein konnte, lässt sich seinem schon zitierten Bericht von der Reise des Jahres 1811 entnehmen. Unter den Beamten, Handwerksmeistern und Unternehmern fand er bald gute Freunde, die Taufpaten seiner vielen Kinder entstammen diesen Schichten. Die überkommene Fotografie zeigt ihn als einen in sich gekehrten ca. Fünfzigjährigen, dem man dennoch ohne weiteres überlegte Zielstrebigkeit und bestimmtes Auftreten zutraut.

Der am 20.10.1823 geborene Sohn aus zweiter Ehe, Johann Georg Karl, begründete ab der Jahrhundertmitte den überregionalen Ruf der Nürnberger Lebkuchen- und Schokoladenfertigung Metzger. In der Gründerzeit expandierte das Unternehmen und verlegte die Produktion in die Regensburger Straße 14. Bei der Firmenbezeichnung
 „F.G.Metzger“ blieb es auch unter den Nachkommen, bis es nach dem Ersten Weltkrieg zum Zusammenschluss mit der gleichfalls traditionsreichen Firma Häberlein kam. Die beiden Unternehmen fusionierten mit Wirkung ab 1. Mai 1920 und einem Kapital von
3.000.000 Mark zur „Vereinigten Nürnberger Lebkuchen- & Schokoladen-Fabriken Heinrich Haeberlein - F. G. Metzger Aktiengesellschaft", kurz: „Häberlein-Metzger“.
1976 übernahm Schöller die Gesellschaft und veräußerte die Lebkuchenfabrikation im Jahr 1999 an den Aachener Süßwarenhersteller Henry Lambertz KG. Der bietet auch für das kommende Weihnachtsfest Schmuckdosen mit der traditionellen Firmenaufschrift „F.G.Metzger“ an.

Bilder und Text:  Ernst Metzger, 4. November 2011

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