Geschichte Firma Ludwig Maurer, Wöhrd

 Jakob Ludwig Maurer wurde am 14.Mai 1873 in Sigmanns/Wangen im Allgäu geboren.

Er war Gründer der Nürnberger Motorfahrzeugfabrik „Union“, System Maurer, GmbH in Nürnberg. Bereits in jungen Jahren verließ er sein Elternhaus, da ihn die väterliche Landwirtschaft und die Schafzucht nicht befriedigten. Seine Leidenschaft war die Technik. In seinen Lehr- und Wanderjahren lernte er kleinere Mechanikerbetriebe in den Fahrrad- und Nähmaschinengeschäften kennen. In einer Motorradfabrik in München eignete er sich alle Kenntnisse und Fertigkeiten an, die er für den Automobilbau benötigte. Die Entwicklung der Technik stand erst am Anfang.

In München gründete er 1896 eine Konstruktionswerkstatt und verlegte diese 1898 nach Nürnberg. Mit einem Gehilfen und mit primitiven Mitteln und großenteils in Handarbeit erfolgte die Herstellung eines Fahrzeuges mit Reibradgetriebe und nahm ein volles Jahr in Anspruch. Was technisch noch unbekannt war, mußte gefunden und erfunden werden. Die erste Probefahrt hinauf zum Burgberg war ein voller Erfolg.

Die Anmeldung des Gewerbes erfolgte erst am 14.08.1899, wie folgt:

„Maurer Ludwig, ledig, Fabrikstraße 40, mechanische Werkstätte, seit acht Tagen begonnen, beschäftigt werden: 1 Geselle,
1 Lehrling, 1 Volontär. Die Kraft wird von Schreinermeister Siebenwurst erworbenen Gasmotor entnommen“.

Er gründete die Nürnberger Motorfahrzeugfabrik „Union“, System Maurer, GmbH“, die erste Automobilfabrik der Stadt Nürnberg war entstanden.

Für eine fabrikmäßige Herstellung konnte Ludwig Maurer im Frühjahr 1900 die notwendigen Finanzleute gewinnen. Bereits im Herbst konnte die Umwandlung des bisherigen Kleinbetriebes in eine GmbH, als „Nürnberger Motorfahrzeugfabrik Maurer-Union „ erfolgen. 1902 erfolgte dann der Umzug in die Regensburger Straße. Auf dem großen Betriebsgelände in der Regensburger Straße entwickelte sich die „Union“ zu einem leistungsfähigen Unternehmen und rechnete zu den ersten Automobilfabriken Deutschlands.

Bereits im Jahr 1906 wurden jährlich 350 Fahrzeuge von 400 Arbeitern produziert. Das Fabrikationsprogramm war außergewöhnlich umfangreich und erstreckte sich von

Einzylinder-„Doktorwagen“, der als Zweisitzer-Fahrzeug speziell für Ärzte bestimmt war, bis zur luxuriösen Sechszylinder-Limousine mit 35 PS. Der kleine Doktorwagen mit zwei Petroleumlampen, Signalhupe und vollständigem Werkzeug kostete 4300,- M und steigerte sich bis zu 17000.- M für die große Luxuslimousine.

Die gewaltige Entwicklung des Unternehmens war nur durch die außergewöhnliche technische Veranlagung und Strebsamkeit des Gründers möglich. Als technischer Direktor konstruierte Ludwig Maurer alle Fahrzeugtypen selbst und war schließlich persönlicher Inhaber von 45 Patenten aus vielen Staaten. Die bemerkenswerteste Konstruktionseigenschaft war das Planscheiben-Reibradgetriebe (Friktionskraftübertragung), einfach genannt „Das stufenlose Getriebe“, das auch heute noch im Automatikgetriebe Anwendung findet.

Aufgrund des guten Rufs hatte das Unternehmen bereits 1901 einen Auftrag von über 100 Fahrzeugen aus England. Wegen den vielen Aufträgen konnte die Nürnberger Motorfahrzeugfabrik, Union, System Maurer an der Ausstellung in Berlin 1906 nicht teilnehmen. Es lagen Aufträge von 200 Motorwagen, mit einem Wert von nahezu 1 Million Mark vor. Nichtsdestotrotz wurde aber an zahlreichen nationalen und internationalen Automobilrennen teilgenommen und erzielten dabei glänzende Erfolge.

1903 nahm man den Linienverkehr mit eigenen Fahrzeugen von Nürnberg nach Heroldsberg, später dann bis nach Eschenau auf. Diese „Erste Bayerische-Motor-Omnibus-Gesellschaft , ein Tochterunternehmen der „Union“, befuhr diese Strecke bis 1906.

Wegen finanzieller Schwierigkeiten erfolgte im Jahr 1908 die Liquidation. Der Herr Direktor Maurer schied aus dem Unternehmen mit der Auflage, in den nächsten fünf Jahren kein Konkurrenzgeschäft zu eröffnen, aus. Die Gesellschafter benannten die Firma „Automobilwerke Union AG, Nürnberg“. Das Unternehmen ging 1910 an die „Nürnberger Feuerlöschgeräte- und Maschinenfabrik“ ehemals Braun AG über und ging dann 1914 an die „Faun-Werke“ über. Durch das Ausscheiden aus der Union 1908 hat Ludwig Maurer nicht nur seine Patente verloren, sondern er durfte kein Konkurrenzgeschäft eröffnen. Die Konventionalstrafe betrug 10000 Goldmark.

Ludwig Maurer meldete jedoch 1908 ein Gewerbe zur Führung einer mechanischen Werkstätte für Automobile unter dem Namen seiner Ehefrau Johanna Maurer an. Es wurde ein fast 6000 qm großes Grundstück an der Dürrenhofstraße angemietet und im Laufe der Zeit erworben. Er befasste sich mit Verkauf und Reparaturen von Fahrzeugen, Bau von Motorschlitten und Pflügen. Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurde der Betrieb stillgelegt und Ludwig Maurer zur Wehrmacht eingezogen. 1919 wurde dann die Firma wieder auf Ludwig Maurer überschrieben. Der verlorene Krieg gebot die Herstellung von kleineren und billigeren Verkehrsmitteln. So entstanden die Maurer Motorräder. Zuerst wurden nur kleine Einbaumotoren für Fahrräder hergestellt, dann entstanden Ein-Zweizylinder-Zweitaktmotorräder. 1923/24 erschien sein größtes Motorrad, eine wassergekühlte Zweizylinder Boxer Maschine mit 500 ccm und einen Zweisitzer Kleinwagen. Auch bei Rennveranstaltungen waren Ludwig Maurer und seine Söhne Paul und Leonhard sehr erfolgreich. Bei der Ansbacher Zuverlässigkeitsfahrt wurde am 30.4.1922 der erste Preis eingefahren sowie bei vielen anderen Veranstaltungen.

In den 1930er Jahren übernahm man die Opel-Vertretung und ab 1935 die Magirus-Lastwagen Vertretung.

1936 verstarb der Gründer der Firma. Seinen fünf Söhnen hinterließ er ein Unternehmen, das sich eines außergewöhnlichen Rufes erfreute. Der 2. Weltkrieg vernichtete die jahrzehnte lange Arbeit. Alle Anlagen und Einrichtungen brannten nach Kriegsende nieder. Zwei Söhne waren im Krieg gefallen. Die Söhne Leonhard, Eduard und Hans führten das teilweise aufgebaute Unternehmen als OHG mit Generalvertretung Magirus-Deutz Lastkraftwagen und Omnibusse bis 1971. Der Betrieb wurde 1971 an die Post verpachtet und 1981 dann an ein Konsortium verkauft. Seit 1998 steht auf dem ehemaligen Firmengelände das „Wöhrdersee Hotel Mercure“.

Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an dieser Stelle an den Gründer der einstigen

ersten Automobilfabrik in Nürnberg-Wöhrd.

Firma Ludwig Maurer

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