J. Edward Earnshaw

J. Edward Earnshaw & Co. Maschinenfabrik und Eisengiesserei in Nürnberg 1848 – 1959

James Edward Earnshaw wurde am 28.August 1808 in Dundee, Schottland geboren. Bereits 1835, mit 27 Jahren, kam er über Zürich nach Nürnberg. Er dürfte also bereits im Gründungsjahr der Ludwigsbahn, mit seinem Landsmann William Wilson, der erste Lokomotivführer des „Adlers“ in Nürnberg gewesen sein. 01-01-01 Firma_Earnshaw_1848 10
Obwohl er dreimal verheiratet war, ging nur aus seiner ersten Ehe ein Sohn, William Edward hervor. Mit Vertrag vom 17.Februar 1842 wurde er als Maschinenbauer, zusammen mit seinen Landsmännern Wharton Rye als Eisengießer und John Hooker als Mühlenbauer, rückwirkend zum 1.Juni 1841 Teilhaber der neu gegründeten Maschinenfabrik Klett & Comp. Erst durch den Kaufmann und Buchhändler Theodor Cramer wurden interne Streitigkeiten behoben und der Aufstieg der Firma Klett begann.
Als Joh. Friedrich Klett 1847 plötzlich verstarb übernahm  Theodor Cramer, nach der Heirat mit Emilie Klett die Firma. Im August 1847 trat zuerst Hooker aus der Firma aus, ihm folgten 1848 Rye und Earnshaw. Mit dem Erlös gründete Earnshaw mit seinem Stiefschwiegersohn Leo Haas im Revolutionsjahr 1848 die
Firma J.Edward Earnshaw & Comp.
Die beiden Compagnons begannen mit ihrer Firma im Hintergebäude des Gasthauses “Zum Goldenen Schwan“, der späteren Wöhrder Hauptstraße 10. In der Werkstatt wurde angeblich die erste Dampfmaschine bzw. deren Steuerung mit Kreide auf den Tisch gezeichnet! Wegen feuerpolizeilicher Auflagen wurde auf die Errichtung einer eigenen Eisengießerei verzichtet.
Sie bezogen jedoch fertige Eisenteile aus der Eisengießerei, der benachbarten Firma Klett Edward Earnshaw stellte Dampfmaschinen und Maschinenteile für Fabriken, Mühlen, Wasserwerke, Spinnereien und Steinkohlenwerke etc. aus Eisen und anderen Metallen, teilweise aus Holz her.Nach dem erfolgreichen Anfang war die Werkstätte bald zu klein und sie erwarben schon ein Jahr später für ihr Fabrikgelände das Anwesen Nr. 191 der „Gärten bei Wöhrd“, die spätere Gießereistraße 2. Das 12000 qm herrschaftliche Gut, der sog. Pfinzinggarten lag direkt neben der nördlichen Mauer von Wöhrd und nahe dem Tor nach Nürnberg und hatte ein großes Wohnhaus und mehrere kleinere Gebäude.
Durch den gerichtlichen Kaufvertrag 1849 ging es mitsamt den Forstrechten im Sebalder und Lorenzer Reichswald und dem Wasserrecht am Wöhrder Pumpwerk in den Besitz der Firma Earnshaw über. 1851 wurde der Betrieb durch die Erbauung einer Eisengießerei an der Nordseite des Geländes, an der Fabrikstraße gegenüber der Einmündung der Merkelsgasse, von der Fa. Klett unabhängig. Die Maschinen der Fabrik wurden von einer stehenden Dampfmaschine angetrieben, die in der Drehereihalle an deren nördlichen Ende stand. Anfangs bezog sich die Produktion auf den allgemeinen Maschinenbau. Es folgten Blecharbeiten aller Art und Leo Haas erweiterte das Produktionsprogramm durch den Bau von Glasschleif- und Glaspoliermaschinen.
Von besonderer Bedeutung war die Erfindung einer neuen Steuerung für Dampfmaschinen, die nach ihrem Erfinder den Namen „Earnshaw-Steuerung“ erhielt. Sie war ein bahnbrechender Fortschritt auf dem Gebiet der rationellen Dampfverteilung. Bald erlangte die Fabrik, bei der schon 1858 etwa 35-45 Arbeiter in Lohn und Brot standen, weit über Nürnberg hinaus in Franken und Bayern großes Ansehen. 10 Jahre nach der Gründung trat Edward Earnshaw am 1.5.1857 aus der Firma aus. Er überließ den halben Anteil an Maschinen und Werkzeugen Herrn Leo Haas und seinem Sohn William Edward Earnshaw. Die Eisengießerei selbst behielt er aber, ebenso wie das dazugehörige Terrain östlich bis zum Garten. Seine nächsten Nachbarn waren Theodor Cramer-Klett, Ludwig Koch der Gründer des Vorstadtvereins Wöhrd und die v.Tucher’sche Gesamtfamilie. 1868 erwarb Leo Haas dann die Anteile an Maschinen und Werkzeugen von William E.Earnshaw.
Als 62jähriger verstarb 1870 James Edward Earnshaw und wurde auf dem Wöhrder Friedhof bestattet. Leo Haas erwarb von dessen Witwe die Eisengießerei und war somit Alleininhaber der Fa. Earnshaw bis zu seinem Tod 1882.Nach dem Tod von Leo Haas übernahmen seine drei Söhne, Eduard Christian, Robert  und Willy die Firma und leiteten sie über mehrere Jahrzehnte hinweg. In der Blütezeit waren bis zu 50 Mann beschäftigt. 1912 wurde die Gießerei geschlossen, da sie zu klein und unmodern geworden war.
In Mögeldorf, Laufamholzstraße 72 auf einem 1,617 ha großen Gelände, neben der Bahnlinie Nürnberg-Amberg-Furth i.W. wurde sie moderner und größer neu errichtet.
Im Werk II wurden u.a. Gußstücke für MAN und SSW hergestellt. Im 1. Weltkrieg wurden dann Spezialmaschinen zur Munitionsherstellung konstruiert. Im Januar 1923 verstarb Robert Haas und seine Erben forderten den Verkauf der Eisengießerei. Die Verhandlungen mit der Firma Friedrich Krupp AG waren erfolglos und so wurde aus dem Verkauf nichts.
1925 wurde eine Schleifmaschine für Straßenbahnwagen erfunden. Die Reparatur der Straßenbahnräder erfolgte bis dahin in etwa 70 Arbeitsstunden, sie mußten ausgebaut werden und fielen für mindestens 2 ½ Tage aus. Mit der neuen Schleifmaschine verkürzte sich die Reparaturzeit auf weniger als 4 Stunden und konnte von nur einem Mann durchgeführt werden. Während der Weltwirtschaftskrise um 1930 erfolgte die Stilllegung der Eisengießerei in Mögeldorf. Das Areal und die Gebäude wurden 1938 an den „Zweckverband Reichsparteitage Nürnberg“ verkauft und gingen nach dem Krieg an den Freistaat Bayern. 
In Wöhrd mußten während dieser Zeit die Modellschreinerei und die Kesselschmiede vermietet werden. Im August 1942 verstarb Eduard Haas fast 94jährig, sein Bruder Willy war bereits 1933 in Offenbach verstorben. Leo Haas II, Sohn von Eduard war Alleinerbe der Fabrik jedoch nicht des Grundbesitzes. In der Bombennacht vom 10./11. August 1943 wurde fast die ganze Fabrik mit vielen Akten, Zeichnungen u.ä. vernichtet. Es blieben nur noch das halbe Maschinenhaus, die Kesselschmiede nebst der Schreinerei, die offene Halle neben dem Waschhaus an der Mauer, der Pavillon und das Hausmeisterhaus neben dem Hoftor an der Gasse Rahmzwinger stehen. 1945 wurde auch noch das Hausmeisterhaus vernichtet. Vor dem Einmarsch der Amerikaner sollte das Fertigungspotential vernichtet werden. Um die wertvollen Maschinen jedoch nicht vollständig zu verlieren, wurden etliche von ihnen im Hof vergraben.
Somit konnte nach dem Krieg im bescheidenen Rahmen wieder produziert werden. Die Büroräume wurden im runden Pavillon untergebracht. 1954 wurde auf Drängen der Erben der ganze Komplex Gießereistraße 2  nach 105 Jahren im Familienbesitz, an die katholische Kirchenstiftung St. Josef verkauft. Die Firma selbst ging mit einem Rest von Werkzeugmaschinen zur Miete in die alte Späth’sche Fabrik am Dutzendteich.
1959 mußte die Firma Späth ihr Fabrikgelände verkaufen und somit kam auch das Aus für die Firma Earnshaw. Der greise Leo Haas war somit gezwungen, die Firma J.Edward Earnshaw & Co. samt Maschinen, Personal und wertvollen Konstruktionsplänen an die Aktiengesellschaft A.Hering, Herrnhüttenstraße 33-35 zu verkaufen. Für 10 Jahre erhielt er noch entsprechende Lizenzzahlungen. Von den Gärten, die einst um das alte Wöhrd lagen, ist längst nichts mehr vorhanden. Dieses Gebiet zwischen der Nürnberger Stadtmauer und der Alt-Wöhrds  wurde im 19. Jh. mit der Entstehung der Fabriken
Klett und Earnshaw zu einem Industriegebiet. Diesen Charakter behielt sie auch nach dem Wegzug der Firma Klett bzw. MAN. Überall gab es größere und kleinere Fabriken um Alt-Wöhrd herum, wie etwa die Faun-Werke in der Waechterstraße, die Spielzeugfabrik Heß in der Rudolphstraße und Steinmesse & Stolberg in der Hohfederstraße.
Heute ist aus dieser ehemaligen Industrieregion eine schöne Wohngegend geworden.Wohn- und Bürohaus der Firma Earnshaw an der Gießereistraße 2.

(StadtAN C 20/V Nr. 15701, Stadtarchiv Nürnberg)

 

 

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