FAUN-Werke   aus Av A 5829  und Av 5432.4

Mitte des 19. Jh. wandelte sich Nürnberg von einer Handel und Handwerks  Stadt zum Industriestandort in Bayern. Nach englischem Vorbild entstanden vor den Mauern der Stadt die ersten Fabriken, wie die Maschinenfabrik, Eisengießerei und Brückenanstalt von Johann Wilhelm Späth, Maschinenbau-Gesellschaft Nürnberg Klett & Co., heute MAN, Maschinenfabrik und Eisengießerei J. Edward Earnshaw & Co. und auch diverse Fabriken der Zweiradindustrie, wobei diese Firmen nicht mehr in Nürnberg existieren.

Der eigentliche Ursprung der FAUN-Werke lag einst mit dem Entstehen der Rotgießerei „Justus Christian Braun“ in der Rosengasse in der Nürnberger Altstadt.

Justus Christian Braun wurde am 28. Februar 1814 in Nürnberg geboren und erlernte das Handwerk des Rotgießers. Nach Erlangung der Meistersprechung am 13. Februar 1845 wurde ihm die Erlaubnis zur Ansässigmachung erteilt.

Die erste Werkstatt als Rotgießer eröffnete J.C. Braun in der Rosengasse Nr. 23 (andere Quelle Nr. 38). In dieser begann er mit der Produktion von Glocken und Messingguß-Erzeugnissen aller Art. Mit der Verlagerung des Betriebes ins Rosental 29 im Jahr 1850 vergrößerte er nicht nur seine Werkstatt, sondern erweiterte auch seine Produktpalette und wurde so zum Industriepionier. Wann genau J.C. Braun mit der Herstellung von Feuerlöschgeräten und dem Vertrieb von Feuerwehrrequisiten (Feuerwehrzubehör) begann, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Er war nicht nur ein genialer Ingenieur, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Der große Erfolg seiner Handdruckspritzen und die starke Nachfrage nach Feuerwehrzubehör, welche auch heute noch bei vielen Feuerwehren zur Grundausstattung gehört, führten dazu, daß die Produktionsstätte im Rosental zu klein wurde. J.C. Braun kaufte 1873 im Stadtteil Gärten bei  Wöhrd ein 13.000 Quadratmeter großes Gartengrundstück mit Villa.

Im südlichen Teil des Grundstückes errichtete er auf 5.000 qm eine neue Fabrik.

Durch die Lage hatte das Grundstück drei Hausanschriften: Die Fabrikpforte befand sich in der Waechterstraße 2, das eigentliche Gebäude in der Fabrikstraße 47 (heute Georg Strobel-Straße) und die Fabrikantenvilla mit Gartenanlage in der Bauvereinstraße 31. Die Fabrik verfügte über Schlosserei, Schmiede, Eisengießerei, Formerei, Schreinerei, Wagnerei, Lackiererei, Lagerräume, Kessel- und Maschinenhaus sowie Büros. Ende des 19. Jh. beschäftigte er ca. 300 Arbeiter und 30 Kaufleute. Nachdem der Gartenanteil für den Straßenbau abgetreten werden mußte,  wurde die zusätzliche Eisengießerei in der Sulzbacher Straße errichtet.

J.C. Braun verstarb am 18.Mai 1878.  Seine beiden Söhne Christian Sigmund und Johann Friedrich Emanuel übernahmen die Leitung der Firma. Obwohl es um 1900 nach dem Tod von J.Fr.E. Braun zu Erbstreitigkeiten kam, wurde die Feuerlöschmaschinen-Fabrik Justus Christian Braun in eine AG umgewandelt (Stammkapital eine Million Mark) und erhielt den Namen „Nürnberger Feuerlöschgeräte und Maschinenfabrik vorm. Christian Braun AG“.

Mit dem Bau der Feuerwache Ost begann die Motorisierung der Berufsfeuerwehr Nürnberg. Das erste Feuerwehrfahrzeug war zwar ein Rettungswagen (Rüstwagen) der Firma Hercules, der durch einen Verbrennungsmotor angetrieben wurde, aber die Fahrzeuge des Löschzugs setzte man dagegen auf die Radnabentechnologie der Firma Braun.

1911 geriet die Firma  in finanzielle Schieflage und nur durch den Einstieg des in Nürnberg-Doos ansässigen Fahr- und Motorradherstellers „The Premier Cycle Companie Ltd“ konnte der Geschäftsbetrieb aufrechterhalten werden, der Firmenname lautete nun  „Justus Christian Braun Premiere Werk AG“. 1913 wurde mit dem „Premier“ ein neu konzipierter Personenkraftwagen auf dem Markt eingeführt. Die finanzielle Lage verbesserte sich jedoch nicht und so wurde am 21. August 1913 die Firma aufgelöst. Der Schuldenstand bei Eröffnung des Liquidationsverfahrens lag bei 2.7 Millionen Mark. Als Hauptgläubiger übernahm der Nürnberger Maurermeister Böckler das gesamte Betriebsgelände mit sämtlichen Produktionsanlagen und legte die Produktion in Nürnberg still.

Der Nürnberger Schmied Karl Schmidt (geboren am 11.3.1884) pachtete 1913 mit seinem Schwager Heinrich Diehl die stillgelegten Produktionsanlagen in Wöhrd. Mit 50 ehemaligen Mitarbeitern der „Braun Premier-Werke AG“ begann er nach drei Monaten Stillstand unter dem Namen „Nürnberger Feuerlöschgeräte-, Automobillastwagen und Fahrzeugfabrik Karl Schmidt“ mit dem Bau von Transport-, Feuerlösch- und Kommunalfahrzeugen. Sein Schwager Diehl errichtete auf dem gleichen Gelände eine Rotgießerei. Als gelernter Schmied und Wagenbauer konstruierte Karl Schmidt  die meisten Fahrzeuge selbst. Er hatte also gewissermaßen die Nachfolge Brauns angetreten. Schmidt kaufte das Gelände in der Waechterstraße, zog sich aber deswegen den Umnut seines Schwagers Diehl zu. Nach einem kurzen erbitterten Streit zog Diehl nach Herrnhütte und nahm die große Dampfmaschine mit.

Während des ersten Weltkrieges wurde die Firma ein wichtiger Lieferant für das Militär. Noch während des Krieges konnte Karl Schmidt das bisher gepachtete Werk kaufen. 1919 fusionierte die „Nürnberger Feuerlöschgeräte-, Automobillastwagen und Fahrzeugfabrik Karl Schmidt“ mit der „Fahrzeugfabrik Ansbach AG“ zur „Fahrzeugfabriken Ansbach AG“,  die ab 1920 den Namen „FAUN-Werke AG“ führte.

Die Faun-Werke AG geriet 1925 in finanzielle Turbulenzen. An beiden Standorten waren rund 1000 Arbeiter und 170 Angestellte beschäftigt. Durch einen Vergleich im Jahr 1926, den die Mehrheitsaktionäre Friedrich Krupp AG und Karl Schmidt mit den Gläubigern schlossen, wurde ein Großteil der Schulden getilgt und das Unternehmen aufgespaltet. Die Werke Nürnberg und Ansbach gingen wieder getrennte Wege. 1928 mußte die „Fahrzeugfabrik Ansbach AG“ Konkurs anmelden und die Produktion stilllegen.

Karl Schmidt kaufte aus eigenen Mitteln die Produktionsstätte in Wöhrd zurück, und führte die Firma unter dem Namen „Faun-Werke GmbH“ weiter.

In der Weimarer Republik erlebte die Faun-Werke GmbH hauptsächlich mit dem Bau von Kommunalfahrzeugen ihren zweiten Aufschwung. Dies verdankte das Unternehmen vor allem der Flexibilität und Kundenfreundlichkeit von Karl Schmidt, da er für alle Kunden ein offenes Ohr hatte und auch außergewöhnliche Wünsche erfüllte.  Neben den Kommunalfahrzeugen entstanden in dieser Zeit auch Omnibusse, Lastkraftwagen, Zugmaschinen und die ersten Fahrzeugkräne.

Am 28.6.1938 starb Karl Schmidt und seine Frau Auguste wurde neue Geschäftsinhaberin. Sie starb jedoch im selben Jahr am 6. November. Nach erfolgter Erbauseinandersetzung wurde der einzige Sohn Dipl.Ing. Karl Heinz Schmidt am 28.8.1939 neuer Alleininhaber der Firma und persönlich haftender Gesellschafter und das Unternehmen umbenannt in FAUN-Werke, Kommunalfahrzeuge und Lastkraftwagen.

Während des 2.Weltkriegs produzierte FAUN ausschließlich Zugmaschinen und Kranwagen für die Wehrmacht. Die FAUN-Werke wurden als wichtiger Rüstungsbetrieb zum Ziel von alliierten Luftangriffen.

Beim Luftangriff vom August 1942 wurde das Werk in der Waechterstraße das erste Mal schwer getroffen, ebenso die Villa, die nicht wieder aufgebaut wurde.  Anschließend begannen alle Mitarbeiter sofort mit Aufräum- und Reparaturarbeiten, trotzdem mußte  die Produktion für einige Monate ruhen. Der Luftangriff vom August 1943 bedeutete das endgültige Ende. Das Werksgelände in der Waechterstraße mußte aufgegeben werden. Die Belegschaft barg alle noch verwendbaren Maschinen und Produktionsmittel und nahm im behelfsmäßig errichteten Zweigwerk in der Höfener Straße 53 die Produktion wieder auf. Schon zu dieser Zeit kaufte Karl Schmidt östlich von Lauf /Pegn. ein Grundstück und errichtete dort die neuen Produktionsgebäude.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte FAUN auf dem brachliegenden Gelände an der Waechterstraße ein Reparaturwerk für Lastkraftwagen errichten. Nachdem das Grundstück in einem für Wohnbebauung vorgesehenen Gelände lag, erhielt FAUN von der Nürnberger Stadtverwaltung keine Genehmigung, weshalb das Werksgelände aufgegeben wurde. Somit endete die Geschichte von J.C.Braun und Faun in Nürnberg-Wöhrd und begann die der Firma FAUN in Lauf an der Pegnitz. FAUN wurde nach dem 2. Weltkrieg einer der führenden Hersteller von Spezialfahrzeugen, Lastkraftwagen und Fahrzeugkränen. Aus dem Hause FAUN stammten auch Personenkraftwagen, Traktoren, Raupenschlepper, Omnibusse und Kleinlastwagen. Mit dem Bau von Fahrgestellen für die Feuerwehrfahrzeuge führte FAUN die Tradition von J.C. Braun fort.

1955 übernahm FAUN die Sulzbach-Rosenberger Fahrzeugwerke Willy Ostner. Während der Luftfahrschau 1966 in Hannover stellte FAUN das erste Flugfeldlöschfahrzeug vor. Welche Gründe Ende der 1980er Jahre zu finanziellen Schwierigkeiten des FAUN Konzerns führten, der 1964 von einer GmbH in eine AG umgewandelt worden war, ist nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen.

Der FAUN Konzern wurde aufgespaltet. Die Bereiche Wehrtechnik, Fahrzeugaggregate und Nutzfahrzeuge blieben in Lauf a.d.P. 1990 wurde er von der „TADANO LTD.“ aus Japan übernommen.

Faun- Werke

Facebook
01-01-02 web schnei
01-01-02 web fuss
01 QR-Code-VVWOEHRD

Copyright (c) Vorstadtverein Nürnberg Wöhrd von 1877 e.V.

AGBV
Arbeitsgemeinschaft der
Bürger-und Vorstadtvereine
Nürnbergs e. V.

01-01-06-1 pan

VORSTADTVEREIN
 NÜRNBERG-WÖHRD von 1877 e. V.

Mit dem Handy scannen –
Daten unterwegs immer zur Hand