Rettungshaus - Erziehungsanstalt Veilhof zu Nürnberg

Die Erziehungsanstalt entstand aus einer privaten Wohltätigkeitsanstalt.01-01-01 Veilhof Es begann mit einem seltsamen Geburtstagsgeschenk. Es war im Jahre 1824, dass Karl von Raumer,  damals Lehrer am Dittmar'schen Privatinstitut, den wohl schon länger gehegten Gedanken, eine Erziehungsanstalt für Knaben armer Eltern ins Leben zu rufen, in die Tat umsetzte. Seine Gattin unterstützte ihn dabei und setzte den ersten Schritt zur Verwirklichung. Zu seinem vierzigsten Geburtstag bekam er einen von der Straße aufgelesenen Knaben als Geschenk. Schon am darauffolgenden Palmsonntag nahmen sie die beiden Söhne ihrer Wäscherin, einer armen Witwe zu sich. Mit diesen drei Zöglingen gründete das Ehepaar eine „Anstalt für arme und verwahrloste Knaben“, die sie zunächst in ihrem eigenen Hause unterbrachten. Dies gilt als das älteste „Rettungshaus“ in Bayern. Karl von Raumer  wird in Bayern zu einem Wegbereiter und frühen Vertreter der Inneren Mission. Finanziell war die Errichtung dieser Erziehungsanstalt nur durch das Privatgymnasium des Dittmar'schen  Institut möglich. Man verköstigte nämlich die mittellosen Kinder mit dem, „was vom Tisch der wohlhabenden Kinder“ dieser Anstalt „täglich übrig blieb“ und erhielt auch deren abgelegte Kleider. Als 1826 die Privatschule geschlossen wurde, bestand auch für die Anstalt, die schon auf 26 Zöglinge angewachsen war, Gefahr. Raumer wandte sich deshalb hilfesuchend an die Stadt Nürnberg, die dann auch einen Teil der Kosten übernahm. Die Hauptlast der Kosten wurde von den Mitgliedern der Nürnberger Partikulargesellschaft der Deutschen Christentumsgesellschaft bzw der fränkischen Erweckungsbewegung, sowie von Spenden von auswärtigen Freunden getragen.

Ein besonderer  Wohltäter der aufblühenden Anstalt wurde der bekannte Marktvorsteher Georg Zacharias Platner. Er stellte nämlich sein Haus in der Bucherstraße, unterhalb des Kuhberg, der Anstalt unentgeltlich zur Verfügung und übernahm sogar bis zum Jahre 1840 sämtliche Baureparaturen, ja er schenkte ihr an seinem 60. Geburtstag das Haus zum freien Eigentum. Im Jahre 1849 fand eine wesentliche Erweiterung der Anstalt statt. Es wurde der Gürsching'sche Garten angekauft und ein Neubau erstellt, sodaß von nun an 40 Knaben und 12 Mädchen aufgenommen werden konnten. Von 1860 ab führte sie den Namen „Rettungsanstalt“ und entwickelte sich nach und nach zu einer großen, gut geleiteten Erziehungsanstalt für Zwangszöglinge. Trotzdem sehnte man sich nach einem größeren Anstaltskomplex.

Ein denkwürdiges Jahr war in der Anstaltsgeschichte das Jahr 1863. Da wurde ein, zwischen Wöhrd und Veilhof gelegenes, im Süden von der Pegnitz umsäumtes ehemaliges Fabrikanwesen dem Zwangsverkaufe unterstellt. Der damalige Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Kaufmann Georg, erkannte die vorteilhafte Lage mit weitschauendem Blick. Da der Kauf nur noch einen Tag offenstand, erwarb er auf eigenes Risiko zu 23000 fl das Anwesen. Der Ausschuss gab nachträglich gerne seine Zustimmung. Erworben wurde nicht nur ein geräumiges Haus mit Nebengebäuden, sondern auch ein völliges „Oekonomiegut“ von 14 Morgen Aecker, Wiesen und Gartenland mit Oekonomiegebäuden, die zu jeder Zeit einer Erweiterung fähig waren und manchen Bauplatz stellten. Nachdem verschiedene bauliche Änderungen und Erweiterungen am Hauptgebäude vorgenommen worden waren, fand am 23. Oktober 1863 die Übersiedlung auf den „Veilhof“ statt und wurde  „Nürnberger Erziehungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder im Rettungshause Veilhof zu Nürnberg“ genannt. Nachdem nach etlichen Umbauten die Räumlichkeiten immer noch zu klein waren, wurde ein großer Neubau geplant. Um diesen finanzieren zu können, wurden 1901 etliche Grundstücke für 15 500 RM verkauft und es blieb nur ein kleines landwirt-schaftliches Gebäude übrig.

Am 14. August 1902, am Tage des Jahresfestes, fand die Einweihung des neuen Hauses auf dem Veilhof statt. Der Festakt begann mit einer Abschiedsfeier im Schulsaal des alten Hauses. Der Hausvater hielt hierbei an die Kinder und die zahlreichen Gäste folgende kurze Ansprache:

„Es war am 23. Oktober 1863. Da bewegte sich ein Zug von Kindern, von der Bucherstraße herkommend, auf den sogenannten Veilhof zu. Es waren die Zöglinge des Rettungshauses, die ihr bisheriges Heim in der Platnersanlage, weil zu klein geworden, verlassen hatten, um in diesem Hause Wohnung zu nehmen. Und durch 39 Jahre hindurch fühlten sich viele Kinder wohl und glücklich unter seinem Dache.

Jetzt stehen wir wieder vor einem Auszuge. Auch dieses Haus ist im Laufe der Zeit zu klein geworden; ein neues größeres ist hinter ihm erbaut worden, bestimmt, uns aufzunehmen“

Nach der Ansprache wurden die Zöglinge mit herzlichen Worten aufgefordert, ein letztes Gebet in den altgewohnten Räumen zu sprechen. Nachdem von den Kindern das Lied „Unsern Ausgang segne Gott“ gesungen worden war, zog man zum neuen Haus. Voran ein Zögling, der den Schlüssel des neuen Hauses trug.

Viele Festgäste und Redner waren zum Einweihungsfest erschienen, auch ein Enkel des Gründers der Anstalt, nämlich Herr Professor von Raumer aus Erlangen. Nach Beendigung der schönen Feier erfolgte ein Rundgang durch die neue Anstalt.

Das Gebäude ist 44 m lang, 17 m breit und besteht aus 3 Stockwerken, durch deren Mitte sich ein 3 m breiter feuersicherer Korridor zieht. Eine weitere Teilung erfährt jedes Stockwerk durch das Vestibül bzw. Treppenhaus. Auf der einen Seite sind die Räume für die Knaben, auf der anderen Seite diejenigen der Mädchen. 

Im Parterre sind sämtliche Tagräume der Anstalt. Der erste Stock enthält drei große Schlafsäle mit Garderobe, die Wohnräume der Hauseltern und ein Krankenzimmer für Mädchen. Letztendlich in der Mansarde ein Reserveschlafsaal, die Zimmer für das Anstaltspersonal,und zwei Trockenräume. Die Einrichtung der Räume ist einfach, aber solid, und den Bedürfnissen entsprechend.

Nach der Übersiedlung in das neue Haus wurde das alte Gebäude abgebrochen, das Terrain geebnet und die Umfassungsmauer gegen die Straße soweit als notwendig zurückgesetzt.

Durch die Entwicklung Nürnbergs zur Großstadt und die Ernährungsschwierigkeiten während der Inflationszeit wurde die Anstalt gezwungen, im Jahre 1920 aufs Land, auf den Auhof bei Hilpoltstein, überzusiedeln.
 
Quelle: Auszug aus STAN, LKAN-ELKB
Bild: Lichtdruck v. Joh. Maler

Erziehungsanstalt

 

 

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