Vom Hopfenhandel zur Kunstvilla

Die Villa Blumenstraße 17 und ihre Geschichte

Die Villa Blumenstraße 17, die derzeit von der Stadt Nürnberg zur „Kunstvilla im KunstKulturQuartier“ umgebaut wird, hat eine lange Geschichte. Erbaut wurde sie zwischen 1893 und 1894 von dem Hopfengroßhändler Emil Hopf (1860-1920). Der Bauherr stammt aus einer sehr wohlhabenden Familie von Hopfenhändlern und Bankiers. Sein Großvater Löb Hopf war 1850 nach Aufhebung des Niederlassungsverbots als einer der ersten Juden nach Nürnberg gezogen und hatte dort das Bürgerrecht erlangt. 1857 war er unter den Gründungsmitgliedern der neuen jüdischen Gemeinde und bekleidete später das Amt des Kultusvorstehers. Sein Sohn Stephan Hopf war bereits Gemeindebevollmächtigter (Stadtrat) und später Mitglied des Nürnberger Magistrats. Stephan Hopf und sein Bruder Joseph, aber auch dessen Sohn Emil wurde für ihre Verdienste um das Gemeinwohl der Titel eines Kommerzienrats verliehen. Neben ihrer politischen Tätigkeit gehörte zu den Verdiensten der Familie insbesondere ihre karitative Tätigkeit. Neben Stiftungen für arme Kinder und bedürftige Witwen sowie Studienstipendien, beteiligte sich die Familie Hopf insbesondere an der Finanzierung des Nürnberger Künstlerhauses. Der Bauherr der Blumenstraße 17, Emil Hopf, hatte sich vor allem als einer der Mitbegründer des heute noch bestehenden Mittelfränkischen Blindenheimes bleibende Verdienste erworben.
Die Pläne für den ab 1893 begonnen beeindruckenden Neubau der Villa von Emil Hopf stammten von dem damals sehr renommierten Frankfurter Architekten Heinrich Theodor Schmidt (1843-1904). Schmidt hatte im wilhelminischen Deutschland einen Namen durch den Umbau bzw. die Renovierung von Schlössern gemacht (z.B. Schloss Dyck bei Köln). Auch das schlossartige Wohnhaus Hopf ist mit seinen fast durchgehend neobarocken Formen Ausdruck des Selbstbewusstseins einer wohlhabenden Unternehmerfamilie dieser Zeit.
Die Familie Hopf lebte bis zum Tode Emil Hopfs im Jahre 1920 in dem Haus. Ab Januar 1920 wurde die Villa als Verwaltungsgebäude der Gesellschaft für Elektrometallurgie mbH (GfE) genutzt. Eigentümer dieser Firma waren die Berliner Paul und Margarete Grünfeld. Zum 50-ten Geburtstag Gründfelds entsteht 1929 ein Album mit Fotos der Villa in ihrem damaligen Zustand. Nur drei Jahre später, 1932, wird das Gebäude (wohl infolge der Weltwirtschaftskrise) erstmals zu einer Pension umgebaut und an die Betreiberin Katharina Förster vermietet. 1935 werden dort Diensträume des Straßen- und Flussbauamtes Nürnberg (heute: Staatliches Bauamt) untergebracht, das die Villa bis 1962 als Mieter nutzt. Herbert Grünfeld, Sohn und Erbe des 1937 verstorbenen Paul Grünfeld, wurde im Zuge der sog. Arisierung durch die Nationalsozialisten zunächst gezwungen die GfE an deren bisherigen Hauptabnehmer zu verkaufen. Herbert und seiner Mutter Margarete Grünfeld geling die Flucht nach England. Im Jahre 1941 wird auch die Villa in der Blumenstraße durch das Land Bayern enteignet.
Auch nach ihrer Rückerstattung an Margarete Grünfeld im Jahre 1951 wird das Gebäude weiterhin vom Straßenbauamt genutzt. Frau Grünfeld veräußert das Gebäude dann 1959 an den Verlag Nürnberger Presse. Nach dem Auszug des Bauamtes im Jahre 1962 vermietet dieser das Gebäude zunächst als Hotel „Blumenhof“. Infolge des hierfür notwendigen Umbaus, unter anderem dem Einbau von Nasszellen, wurde viel der erhaltenen Originalsubstanz zerstört. Diese Zerstörungen kamen erst 1972 mit der Aufnahme der Villa in die Denkmalliste weitgehend zum Stillstand. Seit den 80er-Jahren war die Villa größtenteils ungenutzt. Lediglich das Gartengeschoss wurde für die Betriebsärztliche Praxis und die Betriebsbücherei des Nürnberger Pressehauses genutzt. Der bisherige große Garten des Hauses, der bis zum Mühlbach reichte, wurde mit einem Parkhaus überbaut. Den Abriss der Villa verhinderte nur deren Denkmaleigenschaft.
Einen Wendepunkt in der Geschichte des Hauses stellte das Jahr 2006 dar. In diesem Jahr stellte der Verleger Bruno Schnell der Stadt Nürnberg das Haus als Ausstellungs-gebäude für die sog. „Fränkische Galerie“ zur Verfügung. Seit 2009 wird das in seiner Geschichte arg geschundene Haus mit Unterstützung des Freistaates Bayern zur „Kunstvilla im KunstKulturQuartier“ umgebaut. Ab 2014 werden in der Kunstvilla Ausstellungen zur regionalem Kunstgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts präsentiert werden. Damit wird das kunstgeschichtlich und historisch bedeutende Gebäude, das einen der letzten Reste der alten Marienvorstadt darstellt, endlich einer angemessen Nutzung zugeführt.

Text: K. Engelbrecht
Fotos: R. Schuster

Hopfen zur Kunstvilla

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