Der Pfinzingsche Garten in der Gießereistraße

Steht man vor der 1967 errichteten Katholischen Kirche St. Josef in der Gießereistraße, kann man sich nur schwer vorstellen, dass sich hier bis zur fast völligen Zerstörung Alt-Wöhrds einer der größeren barocken Hesperidengärten in seinen Grundzügen erhalten hatte.

Einen Überblick dieses Gartens in seinem Zustand um 1840 zeigt ein Uhrbild, das sich bis ca. 1980 in der Tucherloge von St. Bartholomäus befand. Das Bild bildet den Garten aus Richtung der heutigen Georg-Strobel-Strasse ab. Den rechten Bildrand füllt - an Stelle der heutigen Kirche -  das 1663 nach dem Kauf des Gartens von der Familie Kress von  Kressenstein errichtete großzügige Gartenhaus. Beachtenswert sind die beiden links des Gartenausgangs angebrachten barocken Wandbrunnen. Davor erstreckt sich ein geometrisches Gartenparterre, das durch vier um 1764 geschaffene Rokokosphingen geschmückt wird, die wir bereits im letzten Heft der Mitteilungen vorgestellt haben. Den Mittelpunkt des Parterres bildet - neben einem runden Springbrunnen - ein achteckiger Gartenpavillion, der den linken Bildrand des Uhrbilds ausfüllt. Pavillon und Sphingen sind Überreste der Neuausstattung des Gartens unter den Pfinzing von Henfenfeld, denen das Gartenanwesen seit 1735 gehörte. Im Hintergrund des Bildes sieht man mehrere portalartige Strukturen, die alle Teil einer ursprünglichen den Nutz- vom Ziergarten trennenden Mauer waren. Links steht unter einer aufwendigen Nische ein Wandbrunnen. Sein Wasser erhielt er - wie die anderen Fließbrunnen - aus einer Quelle an der heutigen Sulzbacher Straße sowie aus der Wöhrder Drahtmühlwasserleitung. Ergänzt wurde die Wasserversorgung durch den links neben dem Wandbrunnen abgebildeten Ziehbrunnen. Bei der seltsam anmutenden Holzkonstruktion über der Brunnenumrandung handelt es sich um die pyramidenförmige Brunnenabdeckung und um ein Pumpgestänge. Rechts davon dann das Tor zwischen Ziergarten und Wirtschaftshof. Seit der Entfernung der sich ursprünglich L-förmig zwischen der linken Hausecke, dem Wandbrunnen und der westlichen Gartenmauer - anstelle der Hecke - erstreckenden Trennmauer war dies weitgehend funktionslos geworden.

An diesem Detail zeigt sich, dass der Garten sich zur Zeit der Entstehung des Bildes schon in einem Veränderungsprozess befand. Mit dem Aussterben der Pfinzing war der Garten 1767 als Erbe an die Familie Haller von Hallerstein gefallen. Diese hatte ihn 1829 an den Fürther Kaufmann Friedrich Körber veräußert. In seiner Zeit entstand das hier vorgestellte Uhrbild.

Er verkaufte die Liegenschaft 1842 an den Maschinenfabrikbesitzer James Edward Earnshaw. Der Brite war mit dem Lokomotivführer des Adlers, William Wilson, nach Nürnberg gekommen. Er hatte zusammen mit Johann Friedrich Klett und zwei weiteren Landsleuten im Bereich des heutigen Kesslerplatzes mit dem Aufbau der ersten Nürnberger Maschinenfabrik begonnen. Nachdem es zu Unstimmigkeiten mit Klett über die Zukunft des gemeinsamen Unternehmens gekommen war, schied Earnshaw aus und gründete seine eigene Fabrik - eben auf dem Gelände des ehemaligen Pfinzinggartens. Sieht man Bilder der Fabrik aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende, so wird deutlich, dass die Errichtung der Fabrik die Grundstrukturen des Gartens relativ unberührt gelassen hatte. So erblickt man auf den Bildern weiterhin das große Wohnhaus, die Brunneneinfassungen und Tore und sogar der Gartenpavillion stand weiterhin in der Mitte des nun als "Erweiterungsfläche" für die Fabrik fortbestehenden Gartens. Untergehen sollten diese Überreste einer opulenten barocken Gartenkultur erst im Bombenhagel des Jahres 1943. Erhalten geblieben sind zwei der vier Sphingen und - hoffentlich - das Uhrbild, dessen Verbleib allerdings seit 1980 unsicher ist. Es wäre zu hoffen, dass es bald wieder seinen Weg zurück in die Öffentlichkeit finden würde.
 

Pfinzingsche Garten

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