Zeugnis barocker Gartenpracht in Wöhrd – die Aula des Melanchthon-Gymnasiums

Nicht nur der Stadtteil Johannis, sondern auch Gärten bei Wöhrd war im 17. und 18. Jahrhundert von üppigen barocken Gartenanlagen geprägt. Einer der letzten Erinnerungen an diesen Teil der Geschichte unseres Stadtteils ist, neben dem Apollo-Tempel im Cramer-Klett-Park, die Aula des Melanchthon-Gymnasiums in der Sulzbacher Straße. Hier feiert der Vorstadtverein seinen Neujahrsempfang 2011. Das heute Gebäude des Melanchthon-Gymnasiums wird am 24. April 2011 100 Jahre alt. Fast vergessen ist, dass es eines der großen barocken Gartenpalais unserer Stadt ersetzte. An der Stelle des heutigen Schulgebäudes stand bis zu seinem Abriss das sog. Merkelsche Anwesen. Erbaut um 1700 im Auftrag des Kaufmanns und Genannaten

Gartenpracht Whrd

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des Größeren Rates, Georg Rössler, erhielt des seinen Namen durch die Kaufmanns- und Politikerfamilie Merkel. Deren bedeutendstes Mitglied war der Kaufmann, Marktvorsteher sowie erste Abgeordnete der Stadt Nürnberg in der Zweiten Kammer des Bayerischen Landtags, Paul Wolfgang Merkel (1756-1820). Nach ihm ist die Merkelsgasse benannt.
Der Architekt des anspruchsvollen Palais kam wohl aus dem Umkreis des Stadtbaumeisters und Architekten der Egidienkirche, Johann Trost (1645-1705). Zu dem Gebäude gehörte, neben Stallungen und Nebengebäuden, auch eine umfangreiche Gartenanlage, die sich von der Sulzbacher Straße bis zur heutigen Georg-Strobel-Straße erstreckte. Von der prächtigen barocken Ausstattung des Gebäudes zeugen einige im Auftrag der Familie Merkel vor seinem Abriss erstellte Fotoaufnahmen, die heute im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Zentrum der Anlage war der barocke Festsaal, den eine üppige Stuckdecke aus der Werkstatt des damals in Nürnberg führenden Stuckateurs Donato Polli (1663-1738) schmückte. Aus der Hand Pollis stammen auch einige Decken im Fembohaus und vor allem die weitgehend zerstörte – Stuckausstattung der Egidienkirche. Diese Stuckdecke ist – neben zwei unscheinbaren Leuchtern im Germanischen Nationalmuseum – der einzige Teil dieses Festsaals, der erhalten geblieben ist. Im Rahmen des Abrisses des Merkelschen Anwesens wurde diese Decke in die Aula des Melanchthon-Gymnasiums übertragen und zeugt dort noch heute von der auch im protestantischen Nürnberg üblichen barocken Prachtentfaltung.
Verloren gingen bei der Übertragung ins Melanchthon-Gymnasium leider die in die Decke eingelassen Gemälde, die die vier damals bekannten Erdteile darstellten. Das Melanchthon-Gymnasium hat sich zum Ziel gesetzt, diese Fresken, die einen wesentlich Teil der Ausstrahlung der Decke ausmachen, auf Grundlage im Stadtarchiv erhaltener detaillierte Aufnahmen aus der Zeit vor ihrer Zerstörung wiedererstehen zu lassen. Im Rahmen unseres Neujahrsempfangs möchten wir für die Wiederherstellung dieser Deckengemälde sammeln und damit einen Beitrag dazu leisten, die Erinnerung an die Geschichte unseres Stadtteils als Zentrum barocker Gartenpracht wieder aufleben zu lassen.
Weitere Informationen zur Wiederherstellung der Decke des Saales erhalten Sie beim Melanchthon-Gymnasium, Herr Seifert, Tel.: 0911/231 5540, E-Mail: lotharseifert@aol

Zur Geschichte des Anwesens: Wilhelm Schwemmer, Die Anwesen Johannisstraße 39 und Sulzbacher Straße 32 als Beispiele Alt-Nürnberger Gartenkultur, in:
Quelle: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg e.V., Bd. 64 (1977), S. 183.

Bild: Bildstelle Hochbauam

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